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Mandelentzündung: Operation und Antibiotika wirklich sinnvoll?

(29.09.2016)

Das Klinikum St. Elisabeth informierte über neue Erkenntnisse und Behandlungswege

Gerade Kinder und Jugendliche leiden oftmals unter chronischer Mandelentzündung. Früher wurden sie häufig operativ entfernt. Aufgrund des Nachblutungsrisikos wird heutzutage möglichst versucht, von Operationen abzusehen. Wann ein operativer Eingriff Sinn macht und welche alternativen Behandlungswege Betroffenen zur Verfügung stehen, erläuterte vergangenen Mittwoch HNO-Ärztin Dr. Veronika Winkler im Klinikum St. Elisabeth in einem Informationsabend.

So wurde die aktuelle Leitlinie von 2015 zitiert: Eine Operation wird derzeit erst bei jährlich sechs oder mehr Infekten empfohlen. Die Art der Behandlung richtet sich unter anderem nach dem Alter des Patienten und möglichen Folgeerkrankungen. Bei Kindern gelten die Mandeln als wichtiger Bestandteil der körpereigenen Abwehr. Vor dem fünften Geburtstag wird in der Regel nicht operiert.

Weiterhin wurden die Besucher der Veranstaltung bezüglich einer Therapie mit  Antibiotika aufgeklärt. „Vielen Patienten ist es nicht bewusst, dass in über 90 Prozent der Erkrankungen eine Virusinfektion vorliegt, bei dem eine Antibiotika-Gabe nicht helfen würde“, so Dr. Veronika Winkler. Oft drehe sich aber die erste Frage der Patienten, die mit einer Mandelentzündung das MVZ des Klinikums aufsuchen, um das Verschreiben von Antibiotika. Außer des Kriteriums, dass das Medikament zumeist aufgrund eines viralen Infektes nicht greift, muss der Aspekt der Resistenzen-Förderung bei Bakterien beachtet werden.

„Uns war es ein Anliegen, die Besucher des Informationsabends hinsichtlich Operationen und Antibiotika zu sensibilisieren und von früheren Vorstellungen abzukommen. Neueren Erkenntnissen zufolge wird zunehmend Abstand von Operationen und der Gabe von Antibiotika genommen.“, schildert Dr. Veronika Winkler.

HNO-Arzt Dr. Klaudius Czech informierte zudem, dass das Erfordernis des Zweitmeinungsverfahrens für Mandeloperationen in der Zukunft wahrscheinlich ist, es jedoch noch keine abschließenden Richtlinien vorliegen.

Veranstalter des Informationsabends für Patienten war die Abteilung Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde im MVZ am Klinikum St. Elisabeth.